Hardware aufbereiten

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Ausrangierte Hardware aufbereiten

Die Nachfrage nach gebrauchter Hardware ist in den letzten Jahren gestiegen. Worauf es bei der fachgerechten Aufbereitung ankommt, und wann recycelt wird, berichtet

IT-DIRECTOR: Herr Bleicher, die Zyklen, in denen Unternehmen elektronische Geräte austauschen haben sich in den letzten Jahren immer weiter verkürzt, was passiert mit dieser ausrangierten Hardware in Konzernen?
M. Bleicher:
Die jüngste Erfahrung zeigt, dass sich die Laufzeiten von Geräten eher wieder verlängern als verkürzen. Im letzten Jahr lag das vor allem an der Einführung von Windows 10 und dem sehr kurzfristig angekündigten Ende des Supportzeitraumes für Windows 7. Da von vielen Unternehmen erst im Jahr zuvor die Umstellung von XP auf Windows 7 vollzogen wurde, hat man die Investition in neue Infrastrukturen für Windows 10 entsprechend hinausgeschoben.

Davon abgesehen gehen wir aber in Zukunft grundsätzlich eher von längeren Nutzungszeiträumen aus. Die Technik hat einen Leistungslevel erreicht, auf dem auch ältere Geräte für den normalen Büroalltag völlig ausreichend sind. Die Ausnahme bilden hier natürlich anspruchsvolle Anwendungen wie Grafikbearbeitung, CAD-Programme oder Software im Finanzwesen, aber auf die Gesamtzahl der Computer in Unternehmen ist dieser Anteil eher überschaubar.

Ausrangierte Hardware aus Konzernen und großen Unternehmen sind die Basis unseres Geschäfts. Diese Systeme sind häufig geleast und gehen dann an den Leasinggeber oder das betreuende Systemhaus zurück. Von da werden sie dann Aufbereiter oder Recyclingunternehmen verkauft. In den letzten Jahren haben wir außerdem festgestellt, dass immer mehr Unternehmen direkt auf uns zukommen, da die Aufbereitung mehr im allgemeinen Bewusstsein ist.

IT-DIRECTOR: Welche Formen des Recycling gibt es grundsätzlich?
M. Bleicher:
Wir unterscheiden bei uns drei Stufen des Recyclings, wenn man es so nennen kann. Die erste Stufe ist die angesprochene Aufbereitung. Das KrWG benennt es als höchstes Gut, wenn Ware wieder in den Zweitmarkt kommt und erneut verwendet wird. Idealerweise ist die Hardware die uns erreicht funktionsfähig oder kann mit einfachen Mitteln repariert werden. Dazu erfolgt eine optische Aufbereitung, neues Betriebssystem und schon haben wir ein hochwertiges Verkaufsgut.

Ist das Gerät als Ganzes nicht mehr zu retten, versuchen wir die Komponenten die noch funktionieren in anderen Systemen einzusetzen und so einen Teil wieder zu verwenden. Das ist die zweite Stufe. Alles was nicht mehr funktioniert oder für eine Aufbereitung ungeeignet ist geht dann auf Stufe 3 in die fachgerechte Demontage und Fraktionierung.

IT-DIRECTOR: Was passiert mit den recycelten Materialien?
M. Bleicher:
Die fraktionierten Bestandteile werden dann von uns an große Rohstoffverwerter verkauft. Diese haben dann die entsprechenden Verfahren, um die einzelnen Metalle und Grundstoffe zurück zu gewinnen.

IT-DIRECTOR: Wie hoch ist der Anteil wiederverwendbarer Materialien, was ist tatsächlich Müll?
M. Bleicher:
Der Anteil an Edelmetallen und besonderen Rohstoffen für die eine Rückgewinnung gefragt ist, liegt bei etwa 10 Prozent. Die übrigen 90 Prozent sind dann meistens die Gehäuse, die sich aus Blechteilen und Plastik zusammensetzen. Das wandert entsprechend ins Altmetall oder den Kunststoffmüll.

IT-DIRECTOR: Im Frühjahr war zu lesen, dass Apple rund eine Tonne Gold aus ausgemusterten Geräten zurückgewonnen hat. Von welchen finanziellen Werten ist in Zusammenhang mit Recycling bei deutschen Großunternehmen die Rede?
M. Bleicher:
Dazu können wir leider keine Aussage machen, weil uns keine Daten über die Menge von IT in deutschen Unternehmen vorliegen.

IT-DIRECTOR: Welche Sicherheitsleistungen muss ein Recycling-Dienstleister – etwa in Bezug auf zuverlässige Datenlöschung – vorweisen?
M. Bleicher:
Uns ist nicht bekannt, dass ein Recycling-Dienstleister Sicherheitsleistungen vorweisen muss. Hier ist eher der Wunsch des Verkäufers nach der Sicherheit der Daten ausschlaggebend – und in unseren Augen auch absolut sinnvoll. Der Aufbereiter oder Recycler sollte ein vollständiges Datenschutzkonzept und entsprechende Zertifizierungen zur Datenvernichtung vorweisen können. Ob man dann mit professionellen Löschtools die Wiederherstellung unmöglich macht, oder direkt zu einer maschinellen Zerstörung der Datenträger greift, hängt dann von der Brisanz der Daten und natürlich der weiteren Verarbeitung der Geräte ab. Grundsätzlich empfehlen wir jedem, sich persönlich den Betrieb anzuschauen, dem sie ihre Hardware anvertrauen.

IT-DIRECTOR: In welchen Branchen und Unternehmensbereichen kommen Refurbished-Geräte in deutschen Großunternehmen zum Einsatz?
M. Bleicher:
Für uns sind Großunternehmen eher Quelle für gebrauchte Hardware als Abnehmer von aufbereiteten Systemen. Durch die großen Stückzahlen ist man dort in der Lage, direkt bei den Herstellern zu guten Konditionen einzukaufen.

Wird die IT dort ausgemustert, wandert sie durch die Aufbereitung und gelangt dann in den industriellen Mittelstand und KMUs, bei denen das Budget beim Hardwarekauf eine größere Rolle spielt.

IT-DIRECTOR: Wie gefragt ist „IT-Remarketing“? Welche Geräte kommen dafür in Frage?
M. Bleicher:
Die Nachfrage nach aufbereiteter Hardware steigt in den letzten Jahren stetig an. Immer mehr Unternehmer aber auch Privatanwender erkennen den Unterschied zwischen einfacher Gebrauchtware und einem professionell überarbeiteten Gerät. Letzteres ist dann eine preisgünstige Alternative zu einer Neuanschaffung, ohne dass man auf Software oder Gewährleistung verzichten muss. Voraussetzung ist da natürlich die Qualität des Notebooks oder Computers. Deswegen sind besonders die Business-Linien der großen Hersteller für eine Aufbereitung interessant. Diese sind von vorneherein auf eine längere Lebensdauer und intensivere Verwendung ausgelegt, sowohl bei den verbauten Materialien als auch der Qualität der Verarbeitung.

IT-DIRECTOR: Wiederaufbereitete Geräte müssen nicht zwangsläufig verkauft werden, sind Spenden eine Alternative?
M. Bleicher:
Aus Sicht der CSR eines Unternehmens macht das Spenden von ausrangierter Hardware natürlich Sinn. Wir unterstützen den Gedanken voll und ganz, funktionierende Geräte an bedürftige Stellen zu spenden, bevor diese verschrottet werden. Allerdings sollte man hier nicht zu vorschnell handeln, denn es gibt einige Fallstricke zu beachten. Zum einen ist auch hier die Sicherheit der eigenen Daten zu nennen. Bevor man Datenträger weitergibt, sollte unbedingt eine professionelle Datenvernichtung vorgenommen werden. Ein weiterer Punkt ist die Lizenzierung von Software wie Betriebssystemen. Der Segen eines gespendeten Computers kann für eine gemeinnützige Stelle schnell zum Fluch werden, wenn Vorwürfe illegaler Raubkopien aufkommen. Wir raten allen Unternehmen, die ihre Hardware spenden wollen, trotzdem mit einem professionellen Aufbereiter zusammen zu arbeiten, der sich fachgerecht um diese Themen kümmern kann.

IT-DIRECTOR: Inwieweit sind Unternehmen von „ElektroG“ aus dem Jahr 2015 betroffen, was hat sich für Hersteller verändert?
M. Bleicher:
Für unsere Produkte gilt bei den Händlern die gesetzliche Rücknahmepflicht. Da wir als reines B2B-Unternehmen keinen Kontakt zum Endkunden haben, hat sich für uns selbst allerdings nur wenig verändert.

IT-DIRECTOR: Wie präsent ist das Thema „Ressourceneffizienz“? Was können Unternehmen verbessern?
M. Bleicher:
Der wichtigste Punkt für Unternehmen ist aus unserer Sicht die Zusammenarbeit mit einem Aufbereiter. Gibt man alte Hardware in den Schrott, wird sie auch entsprechend behandelt und eine Wiederverwendung wird eher unwahrscheinlich. Hier sollte man sich einfach bewusst sein, dass es auch andere Möglichkeiten gibt. Tatsächlich hat sich dieses Bewusstsein in den letzten Jahren stark gebessert, auch bei kleineren Unternehmen, die sonst der Meinung waren, sie wären zu klein um hier einen Teil dazu beizutragen.

16/12/2016